Unfall im AKW Fukushima Daiichi - Was ist passiert?

Am 11.03.2011 kam es bei Japan um 14:46 Uhr zu einem Seebeben der Stärke 9. Um 14:49 Uhr wurde eine Tsunamiwarnung herausgegeben. Aufgrund der Erdbebenvorschriften in Japan schalten sich bei einem Erdbeben die Reakoren automatisch ab.

 

Dazu sollte man aber wissen, einen Reaktor kann man nicht einfach wie das Licht im Zimmer abdrehen. Um einen Reaktor möglichst rasch herunterzufahren, werden die Steuerstäbe rasch komlett in den Reaktor geschoben. Ein Siedewasserreaktor wird einerseits durch die Steuerstäbe gesteuert, andererseits durch die verschiedenstarke Umwälzung des Wassers. Solch ein Reaktor hat also zwei Bremsen: Steuerstäbe und Kühlmittelpumpen.

 

Nach dem Erdbeben, welches das Kraftwerk noch überstand, kam dann ein Tsunami, der zu hoch für die Schutzmauern des AKWs war. Die Stromleitungen und -versorgung wurde im ganzen Land zerstört. In Kernktraftwerken gibt es deswegen Notstromaggregate, um die Kühlung der Reaktoren zu gewährleisten.

Durch den durch das Erdbeben entstandenen Tsunami wurden Teile des Geländes von Fukushima 1 überflutet. Die Flutwelle zerstörte Infrastruktur, Ausrüstung, die Kühlwasserpumpenhäuser und die Stromaggregate, die bis zu diesem Zeitpunkt noch die Kühlung gewährleisteten. Nur ein Aggregat "überlebte", da es ein wenig höher lag. Dies versorgte noch die Reaktoren 5 und 6. Es kam also zu einem kompletten Stromausfall der Blöcke 1 bis 4.

Daraufhin wurde am 11.03.2011 um 15:42 Uhr der Notstand für Fukushima 1 ausgerufen.

Somit fiel die Kühlung der Reaktoren 1 - 4 aus.

 

Die Temperatur in den Reaktoren stieg rasch an. Das Wasser begann zu verdampfen und es entstand Wasserstoff, der sich in der Halle sammelte. Ein kleiner Funken genügte, dass es in den Blöcken 1 bis 3 kurz nach einander zu Wasserstoffexplosionen kam.

 

Dadurch wurden radioaktive Stoffe frei gesetzt. Diese kontaminierten Luft, Böden und Wasser in der Umgebung.

Weiters kam es in den Reaktoren 1 bis 3 zu einer Kernschmelze. Gleichzeitig begann das Wasser im Abklingbecken in Block 4 zu kochen.

100.000 bis 150.000 Einwohner mussten die Umgebung vorübergehend oder dauerhaft verlassen. Zahlreiche in landwirtschaftlichen Betrieben zurückgelassene Tiere verendeten und die landwirtschaftlichen Nutzflächen wurden kontaminiert.

 

Nach einigen Tagen stufte die japanische Atomaufsichtsbehörde die Ereignisse als Stufe 7 (katastrophaler Unfall) ein.

 

Aufgrund der Geschehnisse von Fukushima, beschloss die japanische Regierung im September 2012 den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie bis spätestens 2040. Wegen der Proteste aus der Wirtschaft wurde dies aber wieder eingeschränkt.

Nach der Wahl im Dezember 2012 wurde der ehemalige Premierminister Shinzo Abe wieder erneut gewählt (er gilt aber als Atomkraftbefürworter).

 

Was wurde in Fukushima frei?

In den ersten Tagen nach dem Erdbeben kam es hauptsächlich durch Druckentlastungen und behelfsmäßige Kühlung der Reaktoren zu erheblichen Austritten radioaktiven Materials.

 

Die Belastung durch radioaktive Gase und Partikel wirkte sich daraufhin auf die unmittelbare Umgebung und die Rettungsarbeiten nach dem Erdbeben aus. Stärker kontaminierte Gebiete mussten evakuiert werden.

 

Der radioaktive Niederschlag kontaminierte großflächig landwirtschaftliche Produkte, deshalb erließ Japan Verkaufs- und Verzehrverbote.

Es kam z.B.: bei Teeblättern, Bambussprossen, Viehfutter und Rindfleisch zu Grenzwertüberschreitungen. Doch waren Teile davon bereits in den Handel gelangt und verkauft worden.

In der zweiten Märzhälfte rief daraufhin die EU den radiologischen Notfall aus, dadurch wurden die Grenzwerte von kontaminierten Lebensmitteln angehoben (Die höheren Grenzwerte wurden nach der Tschernobyl - Katastrophe für solche Fälle festgelegt.). Bereits zwei Wochen danach senkte die EU die Grenzwerte für japanische Importe wieder.

 

Man geht davon aus, dass in den stark betroffenen Gebieten Landwirtchaft für mehrere Jahrzehnte nicht mehr möglich ist.

Die Entsorgung von mehreren zehntausend Tonnen konataminierten Klärschlamms, mehreren hundert Tonnen kontaminierter Asche aus Müllverbrennungsanlagen sowie zahlreicher anderer kontaminierter Dinge stellt Japan vor logistische Probleme.

 

Es wurde auch vor kontaminietem Trinkwasser gewarnt. In Tokyo (250 km entfernt) wurde kurzfristig der Grenzwert von Iod 131 für Kinder überschritten.

 

Von Mitte März bis Ende April wurde das Meer hauptsächlich durch kontaminiertes Wasser (entstanden durch die behelfsmäßige Kühlung der Reaktoren und durch Drainagen und Schächte ins Meer gelangt) stärker belastet.

Nahe dem Kraftwerk überschritten die Werte von Iod und Cäsium vorübergehend die Grenzwerte um das 50 000 bis 200 000 fache.

In 30 km Entfernung wurden leichte Grenzwertüberschreitungen von Iod 131 nachgewiesen. Der Fischfang musste daraufhin teilweise eingestellt werden.

 

Mitte April konnte der Austritt von kontaminierten Wasser auf ein Minimum reduziert werden, dadurch sank die Belastung durch Iod 131 Ende April unter den gesetzlichen Grenzwert. Die Werte von Cäsium 134 und Cäsium 137 sanken ab Anfang Juni wieder unter den Grenzwert.

Allerdings lagern sich die bereits ausgetretenen Schadstoffe in gefährlichen Konzentrationen in Algen und am Meeresboden ab.

 

Täglich fallen ca. 400 Tonnen (400 000 Liter) kontaminierten Kühlwassers an. Es stehen allerdings nur mehr für 2 Jahre Auffangbehälter zur Verfügung. Tepco benötigt also ein Dekontaminationssystem, welches das anfallende kontaminierte Wasser filtern kann, um das Wasser ohne Bedenken in das Meer zurückfließen lassen zu können.

Es wird zwar bald ein neues System getestet, das in der Lage sein soll 62 radioaktive Substanzen aus dem Wasser zu filtern, darunter auch Plutonium und Strontium. Das alte System kann momentan nur radioaktives Cäsium aus dem Reaktorkühlwasser filtern.

Da allerdings auch das neue System (ALPS) kein radioaktives Tritium filtern kann, wird es auch mit diesem System nicht möglich sein das Wasser in das Meer zurück zu leiten, jedoch vermindert es erheblich die Gefahr, die von diesem gelagerten kontaminierten Wasser ausgeht.

 

 

Bei einer Kernschmelze in einem Siedewasserreaktor werden Folgende Stoffe frei:

 

Iod 129 und 131

Plutonium

Cäsium 134 und 137

Strontium 90

 

 

Für alle Interessierten hier ein Link zu den genauen Messwerten:

Kann Fukushima immer noch gefährlich werden?

Aus den Medien ist Fukushima zwar verschwunden, aber die Gefahr bleibt trotzdem. Die Arbeiten zur Eindämmung der Gefahr schreiten voran.

 

Die größte Gefahr geht von Block 4 aus. Das dortige Abklingbecken ist in ca. 30 m Höhe und beinhaltet noch 1331 gebrauchte und 200 neue Brennstäbe. Der Bau von Reaktorblock 4, in dem sich das Abklingbecken befindet, wurde durch das Erdbeben schwer beschädigt. Dieser droht laut Experten bei einem weiteren stärkeren Erdbeben einzustürzen.

Erdbebenforscher warnen jedoch schon vor einem stärkeren Erdbeben in nächster Zeit, dies könnte morgen oder erst in 10 Jahren sein.

Tepco gab bekannt, mit der Bergung der Brennstäbe bereits im November 2013 beginnen zu wollen. Diese Arbeiten sollten bis Ende 2014 abgschlossen sein.

 

Das erneute Erdbeben, Anfang Dezember 2012, der Stärke 7,3 nach Richter und den anschließenden Tsunami (in der Region Fukushima ca. 40cm) dürfte das angeschlagene AKW jedoch gut überstanden haben.

 

Das angeschlagene Kraftwerk Fukushima Daiichi bleibt also nach wie vor gefährlich.

Dokumentation Fukushima:

 

Infos: